Einer der wichtigsten Aspekte der Ausgabe 2015 stellt die Verzahnung mit anderen Management Systemen und die verbesserte Integrierbarkeit mit weiteren ISO-Managementsystemnormen dar. In diesem Zusammenhang sind insbesondere die Stärkung des risikobasierten Ansatzes – der sich nunmehr durch das gesamte Dokument zieht – einerseits, sowie die sogenannten „High Level Structure“, die für alle ISO-Managementsystemnormen die Struktur der Kernabschnitte, einen einheitlichen Basistext sowie Benennungen und Definitionen vorgibt, andererseits zu nennen.

Die Kernanforderungen zum „risikobasierten Denken“ sind in der ISO 9001:2015 im Abschnitt 6.1, „Maßnahmen zum Umgang mit Risiken und Chancen“, enthalten. So fordert die Norm, dass die Organisation auf Basis der Untersuchung ihres internen und externen Umfelds Risiken und Chancen bestimmt und entsprechende Maßnahmen plant.

 

Der systematische Umgang mit Risiken (Risikomanagement) ist nicht als formales System zu verstehen, sondern stellt vielmehr den unternehmerische Gestaltungswillen wider und stellt somit die Kernkompetenz des „Unternehmers“ dar. Um Risiken und Chancen erfolgreich zu managen muss es zu einer vollständigen Integration des risikobasierten Denkens in die Unternehmens-Steuerungssysteme und in die Entscheidungsprozesse der Organisationen kommen. Dazu ist es erforderlich, das systematische Managen von Risiken und Chancen in den Köpfen der Entscheidungsträger zu verankern. Die ISO 9001:2015 stellt somit mit seinen Forderungen im Kontext des risikobasierenden Denkens einen wesentlichen Meilenstein in Richtung der Harmonisierung von Qualitätsmanagement und Risiko Management (z.B.: ISO 31000) dar.

 

Der „Kontext der Organisation“ ist als neuer Begriff in der ISO 9001 implementiert worden. Dieser Begriff findet sich schon in der einheitlichen Struktur, die seit 2012 für alle Managementsystemnormen vorgegeben ist: der „High Level Structure“. Hier geht es darum das Qualitätsmanagement im Kontext der Organisation und interessierter Stakeholder zu verstehen.

Mit der Kernanforderung „Die Organisation und ihren Kontext verstehen“ schließt die ISO 9001:2015 an die Strategie der Organisation an. Die „strategische Ausrichtung“ ist neben dem Zweck der Organisation explizit in der Bestimmung der wesentlichen Einflussfaktoren auf die Organisation zu berücksichtigen. Die Analyse der externen und internen strategischen Einflussfaktoren ist eine permanente Aufgabe, die klassisch im Bereich der Strategieentwicklung und -umsetzung im Kontext Unternehmens-, Markt- & Wettbewerbsanalyse und Analyse des Umfeldes durchlaufen wird.

 

Somit werden der Zusammenhang und die Verankerung des Qualitätsmanagements im Strategischen Management etabliert. 

 

Unternehmen und Organisationen setzen zunehmend auf eine integrierte Implementierung von Managementsystemen. Integration bzw. die Harmonisierung der Teilsysteme bietet viele Vorteile: Klare, abgestimmte Verantwortlichkeiten und Aufgabenzuteilungen, geringere Kosten, reduzierte Komplexität und einen besseren Überblick über das Gesamtsystem der Organisation. Die Frage dabei ist nicht, ob Integration der richtige Weg ist, sondern wie eine optimale, integrierte Struktur aufgebaut werden kann, sodass die Systeme in den verschiedenen Ebenen bzw. Systemelementen ineinander greifen und den permanenten Verbesserungsprozess in Richtung „operational und strategic excellence“ unterstützen.